Einfach mal scheisse sein!

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Es sind jetzt ca. 4 Jahre vergangen, seit ich all meine Energie darauf verwendet habe mein Leben komplett zu verändern. Und weiß Gott, mein Leben und ich habe mich komplett verändert. Irgendwie bin ich nur so durch die verschiedensten Welten gerauscht. Aus dem Kerker meiner eigenen Seele, über die Technoszene als Deejay und Druffi, mit Assis Krawall gemacht, mit katholischen Internatsstudenten geschnattert , mit freakigen Theaterleuten und Tänzern Kunst erschaffen, mit Kerlen auf der Baustelle geklotzt, mit den ESOs Licht und Liebe zelebriert, mit Männern Initiationen vorbereitet, mit Sozis studiert, mit Assis geboxt, mit Brudis schnelle Autos besabbert, mit brasilianischen Schamanen Froschgift auf meinen Arm aufgetragen und letztendlich für Konzern-Deutschland Außendienstmitarbeiter gespielt.

Trotzdem habe ich meinen Platz noch nicht gefunden.

Mich hat nichts anderes interessiert als meine persönliche Entwicklung. Angetrieben von dem Gedanken, dass die absolute Freiheit und das große Glück nur einen Schritt entfernt ist, habe ich all das gemacht, was ich für den richtigen Weg gehalten habe. Alles gemacht von dem ich gedacht habe, dass es mich voran bringt. All mein Geld und all meine Kraft und Zeit habe ich in dieses Projekt gesteckt. Teufel Nein, meine Vergangenheit war zwar verdammt aufregend und geil, aber ich hatte ein rießengroßes Drogenproblem und auch meine Psyche war ein schwarzes Loch. Mir war klar, dass dieser Lifestyle langfristig gesehen nicht da hin führt wo ich hin will. Mir war auch klar, dass ich meiner Gesundheit damit keinen Gefallen tue.

Wenn ich so zurück überlege:  „Es ist schon faszinierend was so ein menschlicher Körper alles aushält“. Diesen Satz  hat mal ein guter Freund zu mir gesagt. Und er hat verdammt recht. Es war keine Seltenheit, dass mir komplette 24 Stunden in meiner Erinnerung gefehlt haben. Einfach weg! Die letzte Erinnerung war noch irgendwie an einem Samstag morgen um 6.00 Uhr auf einer Toilette in irgendeinem Club. Was ich dann bis Sonntag gemacht habe……keine Ahnung…aber es muss gut gewesen sein. Ich hatte zwar ein paar Gehirnzellen und Freunde weniger, aber auch so scheiß viel Spaß.  So viel Spaß haben die wenigsten Menschen in ihrem Leben.

Aber ich habe mich entschieden, das alles hinter mir zu lassen. Man wird ja nicht jünger. Beziehungsweise werde ich sonst nicht Erwachsen. Also habe ich mir gesagt, ich werde meinen Weg alleine weiter gehen. Die Freunde, die Freundin, die Musik, die Rituale, die Drogen und all das was mein Leben erfüllt, lasse ich hinter mir.

Mit dem festen Glauben daran, dass das neue Glück zum greifen nah ist.

Und hey, ich will auch nicht jammern. Ich wurde belohnt. Das viele Lernen und Anwenden von Psychologie und Körperarbeit, das viele Meditieren, das gesündere Essen, viiiieeel mehr Sport und frische Luft, hat sich bezahlt gemacht. Ich sehe 5 Jahre Jünger aus und mein neues Selbstbewusstsein hat mich die höchsten Ziele stecken lassen.

Aber vor allem die Körperarbeit und das ekstatische Tanzen hat mich von einem ganz besonderen Saft probieren lassen. Ein Saft der so süß schmeckt, wie keine Droge die ich je in meinem Leben probiert habe.

Die krasseste Erfahrung war wohl Silvester 2014. Bevor ich aus dem Haus gegangen bin, habe ich nichts mehr gegessen, weil ich auf nüchternen Magen besser tanzen kann. Ich habe bestimmt 10 Stunden ohne einen Tropfen Alkohol oder sonstigen Stoff ins neue Jahr getanzt. Und als der Club zugemacht hat und die Lichter angingen, gingen auch meine Lichter an. Mein Körper war so leicht und zwischen dem was ich gesagt, gefühlt. gedacht und getan habe, war kein Unterschied mehr. Alle anderen um mich herum realisierten auch, dass mit mir irgendwas anders war. So was wie „krass gut drauf“. Egal was ich gesagt habe, um mich rum lachten die Leute und hörten mir gerne zu. Aber ich hatte überhaupt nicht die Absicht irgendjemandem was erzählen zu wollen. Ich hatte gar nicht die Absicht irgendwie Etwas sein zu wollen.

Ich war einfach ich!

Zwischen der äußersten Schale meines Wesens und zwischen meinem innersten Kern war kein Unterschied mehr. Ich musste keine Millisekunde überlegen bevor ich etwas sage. Es war alles ganz klar und ich hatte überhaupt keine Angst, das was in mir vorgeht auch offen auszudrücken. Egal was die anderen sagen. Ich war so mit mir selbst verbunden und irgendwie auch mit allen anderen. Jeden Menschen habe ich ganz locker ansprechen können, denn ich wusste ganz genau was richtig ist.

Keine Angst!

Kein Zweifel!

Kein Zögern!

 

Die absolute Freiheit!

 

Von diesen Erlebnissen hatte ich einige.

Das war Sie. Meine Freiheit nach der ich immer gesucht hatte.

Aber dieses „Hochgefühl“, hielt nicht ewig an. Es gab zwar keinen Kater danach, aber der ganz normale verfickte Alltag kehrte wieder ein. Ich kann mich selbst wieder dabei beobachten, wie ich mich verstelle und irgendwelche dummen Sachen sage. Wie ich langsam bin und nicht wirklich weiß was in mir vorgeht. Wie ich abwarte und überlege was die anderen jetzt darüber denken könnten. Wie ich zynisch oder sarkastisch bin, um einer Sache auszuweichen.

Klar bin ich hundert mal freier und selbstbewusster als noch vor vier Jahren. Aber diese Probleme sind nun mal nur allzu menschlich.

Und jetzt heute?

An einem Freitag Abend an dem alle anderen ausgehen und Party machen (oder Kinder kriegen und verheiratet sind) bin ich allein Zuhause. Alleine und kümmer mich um mein Business und meine Entwicklung. Ehrlich gesagt bin ich manchmal so abgefuckt davon den „richtigen“ Weg zu gehen, dass ich gerne einfach mal Scheisse wär. Ein verlängertes Wochenende an dem ich Donnerstags mit Junk Food und einem Computerspiel starte. Freitags stehe ich dann so gegen 16.00 Uhr auf, pack mir nen Zwanni und meine Zahnbürste ein und fahre mit einer Flasche Jägermeister und Zwei Gramm Spaß in der Tasche zu einem Vorglühen unter Gleichgesinnten. Dann im Club angekommen finde ich mich selbst nach einem kurzen Filmriss mit einer Brünetten auf der Toilette wieder und auf der anschließenden Afterhour fliege ich raus, weil ich die Freundin des Hausherren auf den Schoß genommen habe. Vor lauter Frust darüber, schmeiße ich dann in der Vinylbar ein paar Gläser an die Wand und schnorre mir einen Zwanni fürs Taxi nach Hause. Daheim kann ich dann zwar nicht pennen und fühle mich beschissen und leer, aber hey was für ein Spaß.

Und die Moral von der Geschichte? Auch wenn es ein „persönlicher Blogeintrag“ ist, braucht es doch irgendwie eine Moral. Nun gut.

Ja es gibt sie diese Freiheit. Aber sie ist um einiges schwerer ohne Drogen zu erreichen. Wir Menschen sind so wunderbare Geschöpfe die in einem Käfig gefangen sind. Wir sind so wilde und anmutige Tiere, die man in einem Käfig gesperrt hat. Einen Käfig den wir heute Gesellschaft nennen. Und nur die einigen wenigen, die wissen, dass da noch etwas anderes in uns schlummert erkranken daran. Die wenigen die ihren Glauben an die Freiheit noch nicht aufgegeben haben, spüren die Einsamkeit, spüren die Leere, die dieses verzerrte Leben mit sich bringt. Manche können diese Leere mit Gucci Taschen und Macht kompensieren. Andere wiederum versuchen dieser Leere mit Drogen ein Stück Farbe zu geben. Manche lassen ihre Familie zurück und wandern in ein fernes Land aus. Ich weiß nicht, ob dieser Zustand von Freiheit den  ich manchmal mit und manchmal ohne Drogen erreicht habe dauerhaft möglich ist. Ich glaube aber daran, dass es möglich ist. Ich weiß auch nicht wie man diesen Zustand nennt. Ob es Ekstase, Erleuchtung, Freiheit oder einfach nur du selbst bist.

Ich weiß nur, dass wir alle ein bisschen mehr davon gebrauchen könnten.

 

Cheers

David

thanks for the picture!

 

 

 

 

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6 Kommentare

  1. Sabine sagte:

    Hey David,

    Den Text hast du echt toll geschrieben! Ich finde so offen über persönliche Lebensereignisse auf einer Internetseite zu schreiben, dazu gehört jede Menge Mut! Ich für meinen Teil, habe nochmal einen ganz andere Seite von dir entdeckt. Ganz nach dem „verstehenden Ansatz“, verstehe ich dich besser :P. Was du schreibst ist toll und bei den ein oder anderen Dingen muss iCh schmunzeln, weil es mir genauso geht, ich mir die selben Fragen stelle oder einfach deiner Meinung bin!
    Liebe Grüße!

    21. Oktober 2015
    Antworten
    • David Schaller sagte:

      Danke! Schön zu hören!

      21. Oktober 2015
      Antworten
  2. Omed sagte:

    Hi David,
    finde, dass dein Text gut Informationen über deine Erfahrungen liefert. Beim ersten mal lesen, sind mir zwei Dinge hängen geblieben:
    1. Der innere Konflikt zu „ich war einfach ich“. Das hast du wirklich cool beschrieben. „Zwischen der äußersten Schale meines Wesens und meinen inneren Kern gab es kein Unterschied mehr“ – hat mir sehr gefallen!
    2. Hut ab dafür, dass du dich mit deinen persönlichen Problemen aus der Vergangenheit in der Öffentlichkeit präsentierst. Soll nicht im Umkehrschluss heißen, dass ich mich das nicht trauen würde – Ganz im Gegenteil. Hab ja viele selbst produzierte Songs im Netz, die sich um meinre Probleme handeln. Ich spreche hier für die Allgemeinheit. Und zwar jeder Mensch hat seine Probleme im Leben und man sollte sich nicht damit verstecken, sondern sie akzeptieren und keine Angst davor haben sie der Öffentlichkeit preis zu geben. Daraus ergibt, dass man meistens mit solchen Problemen viel besser umgehen kann!

    Vielle Grüße,
    Omed

    8. November 2015
    Antworten
    • David Schaller sagte:

      Hey Omed!!

      Danke für dein Kommentar!

      Seh ich genau so!
      Rock on!!

      8. November 2015
      Antworten
  3. Jo sagte:

    Hey David,
    Es fasziniert mich deinen Text zu lesen, nicht zuletzt weil er mir aus der Seele spricht und das in jeder Hinsicht. Du hast ein unglaubliches Talent zum schreiben und ich finde es einfach nur verblüffend wie du die Gefühle in dir so großartig in Worte fassen kannst. Es hat was beruhigendes zu wissen das man nicht der/die einzige ist der es im Leben so geht. Aber es würde mich rein aus Neugier mal interessieren wie alt du bist ?
    Liebe Grüße

    3. Mai 2017
    Antworten
    • David Schaller sagte:

      Danke Jo. Ich bin 32.

      3. Mai 2017
      Antworten

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